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"Frisch gepresst"

Zum 19. Mal startet die Literaturreihe in der Zentralbibliothek und stellt literarische Neuerscheinungen aus dem Rheinland und aus dem Ruhrgebiet vor

"Frisch gepresst" geht in die neunzehnte Runde. Die gemeinsame monatliche, Literaturreihe der Stadtbüchereien Düsseldorf und des Literaturbüros NRW e.V. zur regionalen Literaturförderung, wird vom Kulturamt der Landeshauptstadt, den beiden Veranstaltungspartnern und dem "Freundeskreis Stadtbüchereien Düsseldorf e.V." finanziert. Ausgewählt werden literarische Neuerscheinungen aus dem Rheinland und aus dem Ruhrgebiet. Entscheidend ist dabei der Verlagssitz, der Wohnort des Autors oder der Ort der Handlung. 

"Lebens- und Weltgeschichte(n)" heißt das Motto des "Frisch gepresst"-Programms im ersten Halbjahr 2018. Michael Serrer, Leitung Literaturbüro NRW e.V., und Annette Krohn, Veranstaltungsarbeit Zentralbibliothek, die die Reihe gemeinsam planen und durchführen, stellten das neue Programm am Freitag, 12. Januar, vor.

Das Konzept von "Frisch gepresst"
Die Reihe "Frisch gepresst" stellt fiktionale, neue Literatur aus dem Rheinland oder dem Ruhrgebiet in einer moderierten Autorinnen- oder Autorenlesung mit anschließendem Publikumsgespräch vor. Die Texte wurden entweder in einem Verlag des Rheinlandes oder des Ruhrgebiets publiziert, oder die Autoren stammen von dort. Die Bücher sind außerdem maximal vor einem Jahr auf den Markt gekommen – also "Frisch gepresst". Die Lesungen finden jeweils am dritten Dienstag im Monat um 18 Uhr im Lernstudio der Zentralbibliothek, Bertha-von-Suttner-Platz 1, statt - im gesamten Jahr sind es damit zwölf Termine. Der Eintritt ist frei. Die Reihe wird je zu einem Drittel finanziert von dem Literaturbüro NRW e.V. (mit freundlicher Unterstützung des Kulturamtes der Landeshauptstadt), den Stadtbüchereien Düsseldorf und dem Freundeskreis Stadtbüchereien Düsseldorf e.V.

2017 kamen durchschnittlich 50 Interessierte pro Abend in die Zentralbibliothek. Gestartet ist die Reihe im Jahr 2000 und geht 2018 nun in die 19. Runde. 

Das Programm im 1. Halbjahr 2018:

Anna Galkina liest "Das neue Leben"
Dienstag, 16. Januar
Unter dem sinkenden Stern der Sowjetunion träumt Nastja von Modern Talking und dem fernen Westen, als Nastjas Mutter Anfang der Neunzigerjahre beschließt, das verarmte Städtchen nahe Moskau zu verlassen. In Riga soll ein neues Leben beginnen. Nur sind russische Zuwanderer in der frisch unabhängig erklärten lettischen Republik ungern gesehene Gäste. Immigration ist kein Spaziergang, hatte man die Familie vorgewarnt. Zum Glück erinnert sich Nastjas resolute Mutter an ein Detail im alten sowjetischen Ausweis der weiblichen Familienmitglieder: Volkszugehörigkeit Jüdin. Als "jüdische Kontingentflüchtlinge" kann das neue Leben in Deutschland für sie beginnen. Welche turbulenten Komplikationen, bürokratische Hürden, tragische Zwischenfälle und skurrile Alltagssituationen sich bei der Ankunft in Deutschland ergeben, davon erzählt Anna Galkina in "Das neue Leben".

Anna Galkina, geboren und aufgewachsen in Moskau, kam nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion nach Deutschland. Sie lebt als freie Schriftstellerin und Künstlerin in Bonn. 2016 erschien ihr Debütroman "Das kalte Licht der fernen Sterne" in der FVA, 2017 folgte ihr zweiter Roman "Das neue Leben".

Markus Orths liest "Max"
Dienstag, 20. Februar
Sechs Frauen, sechs Lieben, ein Jahrhundert – Markus Orths erzählt von einer wahnwitzigen Zeit und einem großen Künstler: Max Ernst. Er kämpft gegen die Verrücktheit einer Welt, die aus den Fugen gerät. Er flieht vor dem wilhelminischen Vater, später vor dem Nationalsozialismus. Er sucht die eine Frau, die er lieben kann. In Deutschland, im wilden Paris der Zwanzigerjahre, im Exil in den USA. Viele seiner Freunde und Frauen sind berühmte Menschen dieser Zeit: Pablo Picasso, André Breton, Leonora Carrington, Peggy Guggenheim. Im Spiegel von sechs Frauenleben entfaltet sich ein Roman über das 20. Jahrhundert und einen seiner großen Künstler. Markus Orths erzählt so lebendig und ansteckend, dass man in jeder Zeile die Leidenschaft spürt, mit der dieser Roman geschrieben wurde.

Markus Orths wurde 1969 geboren und studierte Philosophie, Romanistik und Anglistik in Freiburg. Er lebt als Autor mit Frau und drei Kindern in Karlsruhe. Seine Romane wurden in sechzehn Sprachen übersetzt, der Titel "Das Zimmermädchen" wurde 2015 für das Kino verfilmt. Er ist außerdem Autor von Hörspielen und Kinderbüchern.
 
Judith Pinnow liest "Die Phantasie der Schildkröte"
Dienstag, 20. März
Edith ist Mitte vierzig, Single und wohnt allein in einer kleinen Wohnung in Köln. Ihr Leben verläuft in sehr engen Bahnen. Tagsüber arbeitet sie bei einer Versicherung, abends schaut sie Fernsehen. Außer zu ihrer Mutter, mit der sie sich pflichtschuldig einmal im Monat trifft, um sich von ihr kritisieren zu lassen, hat sie kaum Kontakte. Das ändert sich, als sich eine Zehnjährige in ihr Leben drängt und ihr Aufgaben stellt. Edith muss merkwürdige Dinge erledigen, aber vor allem sich anderen Menschen öffnen. Auf dem Weg zu sich selbst hat sie skurrile Begegnungen, lernt ihren Großvater kennen und schließt Freundschaften. Eine zärtliche, poetische Geschichte über die Kraft des Wünschens.

Judith Pinnow, geboren 1973 in Tübingen, besuchte die Schauspielschule in Ulm und studierte am Lee Strasberg Theatre Institute in New York. Als Schauspielerin war sie in Fernsehserien und in Filmen zu sehen. Bekannt wurde sie als Fernsehmoderatorin. Mit ihrem Ehemann und Kollegen Stefan Pinnow und ihren drei Kindern lebt die Autorin in der Nähe von Köln.

Ulrike Anna Bleier liest "Schwimmerbecken"
Dienstag, 17. April
Fünf lange Jahre hat Luise nichts von ihrem Zwillingsbruder Ludwig gehört. Nun ist er wieder da, sitzt am Wohnzimmertisch der Eltern, als wäre nichts geschehen. Und er spricht nur noch indonesisch. Trotz der einst engen Beziehung findet Luise keinen Zugang mehr zu ihm. Die lebensuntüchtige Tagträumerin, die als Schwimmlehrerin etwas Geld verdient, hat ihren klugen Bruder stets bewundert – ungeachtet seiner dunklen Wesenszüge. Kurz nach Ludwigs Rückkehr ins Elternhaus verlässt Luise ihren Heimatort Kollbach und zieht in die Stadt. Doch das Rätsel um ihren Bruder lässt sie nicht los: Sie ahnt, dass der Grund für Ludwigs mysteriöses Verhalten in der Vergangenheit liegen muss. Als er in die Psychiatrie eingeliefert wird, kehrt Luise noch einmal nach Kollbach zurück. Sie will endlich Klarheit über das Familiengeheimnis, dem sie jetzt nachgeht. 

Ulrike Anna Bleier, geboren 1968 in Regensburg, lebt in Köln als Journalistin, Kulturmanagerin und Schriftstellerin. Sie schreibt Romane, Kurzgeschichten und Essays, veröffentlicht in Anthologien, Zeitschriften, Zeitungen und im Radio. Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie mehrfach ausgezeichnet, so erhielt sie 2014 das NRW-Arbeitsstipendium. "Schwimmerbecken" stand auf der Hotlist 2017 der zehn besten Bücher der unabhängigen Verlage.
 
Mariana Leky liest "Was man von hier aus sehen kann"
Dienstag, 22. Mai 
Selma, eine alte Westerwälderin, kann den Tod voraussehen. Immer, wenn ihr im Traum ein Okapi erscheint, stirbt am nächsten Tag jemand im Dorf. Unklar ist allerdings, wen es treffen wird. Davon, was die Bewohner in den folgenden Stunden fürchten, was sie blindlings wagen, gestehen oder verschwinden lassen, erzählt Mariana Leky in ihrem Roman.  "Was man von hier aus sehen" kann ist das Porträt eines Dorfes, in dem alles auf wundersame Weise zusammenhängt. Aber es ist vor allem ein Buch über die Liebe unter schwierigen Vorzeichen, Liebe, die scheinbar immer die ungünstigsten Bedingungen wählt. Für Luise zum Beispiel, Selmas Enkelin, gilt es viele tausend Kilometer zu überbrücken. Denn der Mann, den sie liebt, ist zum Buddhismus konvertiert und lebt in einem Kloster in Japan …

Mariana Leky studierte nach einer Buchhandelslehre Kulturjournalismus an der Universität Hildesheim. Sie lebt in Berlin und Köln. Für ihre Erzählungen und Romane gewann sie den Allegra Preis, den Niedersächsischen Literaturförderpreis, den Förderpreis für junge Künstler in der Sparte Dichtung/Schriftstellerei des Landes NRW und wurde mit dem Stipendium des Landes Bayern ausgezeichnet. "Was man von hier aus sehen kann" ist das "Lieblingsbuch der Unabhängigen 2017" – gewählt von Buchhändlerinnen und Buchhändlern aus ganz Deutschland.

Sabrina Janesch liest "Die goldene Stadt"
Dienstag, 19. Juni 
Peru, 1887. Das ganze Land redet nur von Augusto Berns, einem Mann der die verlorene Stadt der Inka gefunden haben will. Doch wer ist der Mann, der vielleicht El Dorado entdeckt hat? Alles beginnt mit einem Jungen, der am Rhein Gold wäscht und sich in erträumten Welten verliert, der später in Berlin den glühend verehrten Alexander von Humboldt befragt, um bald darauf einen Entschluss zu fassen: Er will die goldene Stadt finden. Berns wagt die Überfahrt nach Peru, wo er eher zufällig zum Helden im Spanisch-Südamerikanischen Krieg wird, dann als Ingenieur der Eisenbahn Mittel für seine Expedition sammelt. Mit dem Amerikaner Harry Singer besteigt er die Höhen der Anden und schlägt sich durch tiefsten Dschungel, um schließlich an einen Ort zu gelangen, der phantastischer ist als alles, was er sich je vorgestellt hat. Erst seit kurzem weiß man, dass das sagenumwobene Machu Picchu in Peru von einem Deutschen entdeckt wurde. Sabrina Janesch hat sich auf die Spuren des vergessenen Entdeckers begeben und erzählt seine aufregende Geschichte. Ein Roman von großer literarischer Kraft, der uns in eine exotische Welt eintauchen lässt – und zeigt, was es bedeutet, für einen Traum zu leben.

Sabrina Janesch studierte Kulturjournalismus in Heidelberg und Polonistik in Krakau. 2010 erschien ihr Roman "Katzenberge", 2012 "Ambra", ehe "Tango für einen Hund" folgte. Für ihr Schreiben wurde sie unter anderem mit dem Anna-Seghers-Preis ausgezeichnet. Sabrina Janesch lebt mit ihrer Familie in Münster.

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