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Heinrich-Heine-Institut - Historischer Klems-Flügel zurück

Nach aufwändiger Restaurierung steht der historische Flügel der Firma Klems nun im Heinrich-Heine-Institut 
© Landeshauptstadt Düsseldorf/Ingo Lammert

Nach aufwändiger Restaurierung, die durch die Heinrich-Heine-Gesellschaft finanziell und ideell unterstützt wurde, steht der im deutschsprachigen Raum einzigartige historische Flügel der Firma Klems nun im Museum des Heinrich-Heine-Instituts. Die Restaurierung erfolgte durch das Restaurierungszentrum der Landeshauptstadt Düsseldorf.

Einer der bedeutendsten Klavierbauer - Johann Bernhard Klems
Mitte der 2000er Jahre wurde dem Heinrich-Heine-Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf und der Heinrich-Heine-Gesellschaft – auf Vermittlung des Düsseldorfer Pianisten Tobias Koch – ein wertvoller Klems-Flügel von privater Seite gestiftet. 

Johann Bernhard Klems, der 1840 in der Düsseldorfer Hohe Straße seine Werkstatt eröffnete, gehörte zu den bedeutendsten Klavierbauern seiner Zeit. Mitte des 19. Jahrhunderts gelang es ihm, seine kleine, aber hohen Ansprüchen genügende Werkstatt zu etablieren. Seine Flügel gehörten zu den bevorzugten Instrumenten vieler Heine-Zeitgenossen. Er unterhielt zahlreiche Kontakte zu berühmten Musikern und Komponisten seiner Zeit. Felix Mendelssohn-Bartholdy spielte einen Klems-Flügel bei einem seiner späten Konzerte, Johannes Brahms übte während seines Düsseldorfer Aufenthalts lange Zeit im Magazin von Klems. 

Die Freundschaft zu Clara und Robert Schumann
Besonders zu Clara und Robert Schumann unterhielt der Klavierbauer ein freundschaftliches Verhältnis. Clara Schumann setzte sich für dessen Instrumente ein, viele von ihm gefertigte Stücke hat sie noch eigenhändig eingespielt. Auch empfahl sie die Instrumente ihrer Schülerin Marie von Lindemann: "hätten Sie nicht Lust zu einem Stutze von Klems? gerade die Kleinen Instrumente macht er so hübsch, und dann sind dieselben auch mit englischer Mechanik; deutsche Mechanik müssen Sie nicht nehmen, das wäre doch wirklich thöricht."

Ihre Begeisterung kannte keine Grenzen, als Robert Schumann sie zu ihrem 34. Geburtstag mit einem Flügel von Klems überraschte: "Freude und Schreck überwältigten mich ganz, als mir Robert sagte, daß der Flügel mein sein sollte – Schreck, weil es mir ein zu großes Geschenk war … für unsere Verhältnisse zu kostbar …." Sie spielte bei ihren Konzertreisen jahrelang Instrumente von Klems.

Nach Restaurierung wieder optisch erlebbar
Als der Flügel ins Heinrich-Heine-Institut kam, erwies er sich als stark restaurierungsbedürftig. Mehrere Versuche, ihn wieder spielfähig zu machen, misslangen. Die abschließende Restaurierung erfolgte durch das  Restaurierungszentrum der Landeshauptstadt Düsseldorf. Als dieses den Düsseldorfer Klems-Flügel übernahm, befand sich das historische Instrument in einem schlechten Erhaltungszustand. Seine anspruchsvoll gearbeitete, originale Palisanderoberfläche war zum Teil so vergraut, dass das prächtige Furnierbild nicht mehr erkennbar war. 

Die vorherigen fehlgeschlagene Versuche, den Flügel wieder spielbar zu machen, hatten dazu geführt, dass der originale Stimmstock, die Stimmnägel sowie der Saitenbezug entfernt waren. Da keine adäquaten Vergleichsobjekte mehr gefunden werden konnten, anhand derer man den Stimmstock und die ursprüngliche Art der Besaitung hätte rekonstruieren können, wurde im Austausch mit Experten aus der Musikinstrumenten-Restaurierung beschlossen, von einer akustischen Instandsetzung abzusehen. 

Die Behandlung, die nun am Restaurierungszentrum durch die Restauratorinnen Judith Bützer, Sigrid Jansen und Katharina Klauke konzipiert und ausgeführt wurde, konzentrierte sich darauf, den Flügel wieder optisch erlebbar zu machen. Hörbeispiele, die nachvollziehen lassen, wie der Klems-Flügel geklungen haben könnte, werden in einer separaten Medienstation präsentiert, die im "Aufbruch"-Raum der Ausstellung "Romantik und Revolution" steht. 

Der Klems-Flügel ist ein repräsentatives Beispiel der zeitgenössischen Instrumentenbaukunst im 19. Jahrhundert. Wie im Historismus üblich, werden hier an einem Objekt mehrere Stile zitiert. Das edle, dunkle Palisanderfurnier ist Ausweis der Exklusivität - derartige Hölzer waren im 19. Jahrhundert sehr teuer. In dieses Furnier sind rokokoähnliche Verzierungen aus blankem Messingblech eingelassen, eine Dekorvariante, die man nach dem französischen Kunsttischler André-Charles Boulle als "Boulletechnik" bezeichnet. Sie ist beim Düsseldorfer Klems-Flügel sehr zurückhaltend angewandt worden, um der zentralen Signatur des Instruments einen ornamentalen Rahmen zu verleihen. Zweimal wird – als klassizistische Referenz – die Lyra aufgegriffen, unterhalb der Klaviatur und im durchbrochenen Notenpult. Im Flügelinneren dagegen zitiert Johann Georg Klems gotische Formen.

Nun steht der im deutschsprachigen Raum einzigartige historische Flügel der Firma Klems im Museum des Heinrich-Heine-Instituts und ist ab sofort für Besucher der Heine-Dauerausstellung zu bewundern.

Festakt anläßlich der Rückkehr des Klems-Flügels
Am Dienstag, 21. Mai, 18 Uhr findet im Heinrich-Heine-Institut ein Festakt anlässlich der Rückkehr des Klems-Flügels statt. Interessierte Bürgerinnen und Bürger sind hierzu herzlich eingeladen. Der Eintritt ist frei, um eine Anmeldung wird gebeten, via E-Mail an anmeldungen-hhi@duesseldorf.de. Dr. Sabine Brenner-Wilczek, Direktorin des Heine-Instituts, sowie Felix Droste, 1. Vorsitzender der Heine-Gesellschaft, werden die Gäste begrüßen. Zudem gibt es auch musikalische Beiträge an dem Abend, bevor alle Gäste den Klems-Flügel und die neue Medienstation in der Dauerausstellung erkunden können.

Öffnungszeiten und Eintritt
Das Heinrich-Heine-Institut, Bilker Straße 12-14, ist regulär dienstags bis freitags von 11 bis 17 Uhr sowie samstags von 13 bis 17 Uhr und sonntags von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet für Erwachsene vier Euro, ermäßigt zwei Euro. Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre haben freien Eintritt. Sonntags ist der Eintritt in die Ausstellung für alle Besucher kostenfrei.

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