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Hetjens - Deutsches Keramikmuseum

Hetjens - Deutsches Keramikmuseum

Kuratorin der Ausstellung Janine Ruffing (links) mit Museumsleiterin Dr. Daniela Antonin
© Landeshauptstadt Düsseldorf/Michael Gstettenbauer

Die Ausstellung zeigt vom 28. Juni bis 21. Oktober sowohl Objekte des traditionellen Ahnenkultes als auch Keramiken für den täglichen Gebrauch

Das westliche Afrika blickt auf eine lange Geschichte der Menschheit sowie deren Kultur zurück. Die Region verbindet verschiedene Klimazonen vom Regenwald über die Savanne bis hin zur Wüste. Gemeinsam ist allen dort lebenden Ethnien die Ausübung des Töpferhandwerks, das von Generation zu Generation fast ausnahmslos von Frauen weitergegeben wird. Die Ausstellung "In Frauenhand - Keramik aus Westafrika" im Hetjens - Deutsches Keramikmuseum zeigt vom 28. Juni bis 21. Oktober sowohl Objekte des traditionellen Ahnenkultes als auch Keramiken für den täglichen Gebrauch, wie Gefäße für Palmwein, selbstgebrautes Bier oder Honig. Das Hetjens freut sich, das Thema der afrikanischen Keramik nach fast 30 Jahren wieder in einer Ausstellung präsentieren zu können.

Keramik wurde individuell angepasst
In erster Linie für den eigenen Bedarf, aber auch für den Handel auf lokalen Märkten, stellten die Ethnien handwerkliche Produkte her. Die Männer übten oftmals das Schmiedehandwerk und die Schnitzkunst aus, während den Frauen dieser Handwerker oder einer Frauengruppe innerhalb der Ethnie das Töpferhandwerk vorbehalten war. Bereits die kleinen Töchter wurden spielerisch an die Verarbeitung des Tons herangeführt und formten Miniaturgefäße. Vom Abbau des Tons bis zum Brennvorgang in der Trockenzeit lag der gesamte Herstellungsprozess in Hand der Töpferin, die durch die zunehmende Erfahrung immer kompliziertere Formen töpfern oder sich auf figürliche Gefäße spezialisieren konnte. Traditionell wurde für die Produktion keine Töpferscheibe genutzt. Die Keramik wurde individuell auf die Bedürfnisse angepasst: zum Bierbrauen, für Honigwein, als Wassertransportgefäß mit flachem Boden oder für die Verwendung in einem sakralen Kontext. Die Verzierungen und die Farbe der Gefäße wurden mit Naturmaterialien und einem färbenden Sud aus Rinde oder Blättern in der Stilrichtung und Dekorationsform der jeweiligen Ethnie erzeugt.

Der mythologische Ursprung
Der mythologische Ursprung der Töpferei wird oft mit der Erde, aus der der Ton geborgen wird, in Verbindung gebracht. Iya Mapo, eine Muttergottheit der Yoruba in Nigeria, gilt als Schutzgöttin der Töpferinnen und soll alle Frauenhandwerke eingeführt haben. Sie wird daher auch als die "stille Mutter der schweigenden Erde" bezeichnet. In Westafrika finden sich über zweihundert eigene Stile und Merkmale im Töpferhandwerk, die das jeweilige kulturelle Verständnis einer Ethnie ausdrücken. Bei figürlichen Darstellungen können beispielsweise Narbentatauierungen auf der Haut als Körperschmuck angegeben sein, der sich je nach Region unterscheidet. Kennzeichnend ist eine Sicherheit in der Formgebung und im Schmuck der Gefäße. Die figürlichen Keramiken sind vor dem Hintergrund der jeweiligen Mythen und deren mündlichen Überlieferungen zu verstehen.

Die Keramik begleitet die Ethnien ihr ganzes Leben lang und über den Tod hinaus: In der Region Ashanti wurden beispielsweise Seelengefäße für die Verstorbenen königlicher Familien angefertigt - von denen einige Exemplare auch in der Sonderausstellung zu sehen sind. Diese werden vierzig Tage lang an einem besonderen Gedenkort aufbewahrt, um den Übergang der Seele ins Jenseits vorzubereiten.

Besonderen Wert legte man bei den Dakakari auf ein gutes Verhältnis zum Ahn eines Verstorbenen, denn die Hinterbliebenen stellten zum Beispiel Wildtiere aus Keramik an die Gräber eines Jägers, um dem Ahn und seinem Jagdkönnen zu schmeicheln. Beispiele hierfür werden ebenfalls in der Ausstellung des Hetjens präsentiert.

Die figürlichen Darstellungen und Appliken an den Gefäßen stellen oftmals Tiere dar, die für die Kultur von symbolischem Wert sind. So steht die häufig abgebildete Eidechse für das Leben in all seinen Schattierungen und der Frosch für Wasser und der damit verbundenen Fruchtbarkeit. Seelengefäße, sogenannte abusua kuruwa aus Ashanti/Ghana können sogar ganze Sprichwörter symbolisch wiedergeben.

Die Ausstellung im Hetjens - Deutsches Keramikmuseum zeigt über 80 Objekte aus Westafrika, sowohl Keramiken des traditionellen Ahnenkultes als auch Gefäße für den täglichen Gebrauch.

Rahmenprogramm zur Sonderausstellung

Führungen durch die Sonderausstellung finden jeweils am Sonntag, 1. Juli, 15 Uhr; Sonntag, 16. September, 15 Uhr und am Sonntag, 21. Oktober, 15 Uhr statt.

Kuratorenführungen gibt es am Mittwoch, 25. Juli, 17 Uhr und am Mittwoch, 22. August, 17 Uhr.

"AKWAABA! Afrikanischer Abend": Am Mittwoch, 8. August, 18 Uhr lädt das Hetjens zu einem Abend mit kulinarischen Spezialitäten aus Afrika, stimmungsvoller Musik und Kurzführungen durch die Ausstellung. Die Teilnahme kostet 38 Euro pro Person. Bei schönem Wetter findet die Veranstaltung im Kastanienhof statt. Eine verbindliche Anmeldung bis zum 29. Juli ist erforderlich, an der Museumskasse oder unter der Rufnummer 0211-8994210.

Sommerferienkurse: Im Rahmen der Sonderausstellung bietet das Hetjens zwei zweitägige Sommerferienkurs für Kinder von 8 bis 12 Jahren an. Den ersten am Dienstag, 24. Juli, und Donnerstag, 26. Juli, jeweils von 11 bis 12.30 Uhr. Das Thema ist "Eidechsen-Alarm!". Eidechsen sind die Meister des Versteckens - ob in einer klitzekleinen Ritze oder getarnt auf einem sonnigen Stein. Auch in der Ausstellung haben sie sich versteckt. Im Anschluss können die Kinder ihre eigene Echse töpfern. Die Kosten liegen bei zehn Euro pro Kind für beide Tage. Beim zweitägigen Ferienkurs am Dienstag, 21. August, und Donnerstag, 23. August, jeweils von 11 bis 12.30 Uhr, lautet der Titel "Frosch-Fieber!". Nicht etwa im sumpfigen Nass, sondern auf gebranntem Ton haben sich die Frösche versteckt. Im Anschluss an die Expedition durch die Ausstellung töpfern die Kinder ihren eigenen Frosch. Die Kosten liegen bei zehn Euro pro Kind für beide Tage.

Familientöpfern: Am Sonntag, 22. Juli, und am Sonntag, 26. August, findet jeweils von 14 bis 16 Uhr das "Familientöpfern" statt: Der Flederant ist los! Flattrige Fledermäuse kennt jeder und der trampelige Elefant ist sicher auch bekannt. Aber wer hat denn schon einmal einen Flederanten gesehen? Gemeinsam mit den Kindern und Eltern oder Großeltern können alle in der aktuellen Afrika-Ausstellung auf die Suche nach diesem geheimnisvollen Wesen gehen und anschließend eigene fantastische Tiere töpfern. Die Teilnahme kostet zehn Euro pro Erwachsenem, und fünf Euro pro Kind. Eine Anmeldung ist erforderlich.

"Die Töpferei der Lobi, Burkina Faso": Vortrag mit Film. Referent ist Prof. Dr. Klaus Schneider, Direktor Rautenstrauch-Joest-Museum, Köln. Die Veranstaltung findet im Oktober statt, ein genauer Termin wird noch bekannt gegeben.

Afrikanische Märchen und Kaffeezeremonie: Die Veranstaltung findet im Oktober statt, ein genauer Termin wird noch bekannt gegeben.

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